


Harninkontinenz am Tag
Tagesinkontinenz: Wenn Kinder tagsüber Urin verlieren
Für Kinder ist es sehr wichtig, trocken zu sein und die Blasen- und Darmfunktion kontrollieren zu können. Wenn es tagsüber zu Urinverlust (oder auch Stuhlverlust) kommt, kann das belastend sein – und leider manchmal auch zu Schamgefühlen oder Hänseleien führen.
Viele Kinder lernen bis zum vierten Lebensjahr, ihre Blase gut zu kontrollieren. Wenn ein Kind danach wiederholt in die Hose macht, obwohl es eigentlich schon trocken sein sollte, ist das für die ganze Familie unangenehm. Oft wird das Thema aus Scham verschwiegen – dabei sind Sie damit nicht allein.
Wichtig: Ihr Kind macht das nicht absichtlich
Wenn ein Kind tagsüber einnässt, hat das fast immer einen Grund – und es ist selten „Faulheit“. Mögliche Ursachen können zum Beispiel körperliche Faktoren, eine noch nicht ausgereifte Blasenkontrolle, ungünstige Toilettengewohnheiten, Verstopfung oder auch Stress und emotionale Belastungen sein. Eine unkontrollierbare Blase kann die Lebensqualität Ihres Kindes deutlich beeinträchtigen – umso wichtiger ist eine gute, respektvolle Unterstützung.
Der erste Schritt: Ursachen abklären lassen
Als Erstes sollte gemeinsam mit dem Kinderarzt geklärt werden, warum der Urinverlust auftritt. So kann entschieden werden, welche Behandlung oder welches Training Ihrem Kind am besten hilft. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, damit Ihr Kind die passende Unterstützung bekommt.
Wir unterstützen Sie dabei
Wir unterstützen mit passenden Produkten, die den Alltag erleichtern und Ihrem Kind mehr Sicherheit geben – zum Beispiel mit saugfähiger Unterwäsche, damit Kleidung in der Schule zuverlässig trocken bleibt und peinliche Situationen vermieden werden.
Je nach Situation können auch Hilfsmittel wie eine Erinnerungsuhr für Trink- und Toilettenzeiten sinnvoll sein. Und wenn das Kind das Wahrnehmen einer vollen Blase gezielt üben soll, kann ein Tages-Alarm beim Training unterstützen.
Wenn Ihr Kind nachts einnässt, finden Sie Hilfe auf unserer Seite zum Thema Bettnässen. Manchmal wird empfohlen, zuerst die Tagesinkontinenz zu behandeln – und danach das nächtliche Einnässen gezielt anzugehen.
Wie viele Kinder haben Probleme mit Inkontinenz?
Etwa 10 % der Kinder im Kindergartenalter verlieren tagsüber noch Urin – das entspricht ungefähr zwei Kindern pro Gruppe/Klasse. Zum Glück wächst ein großer Teil der Kinder mit der Zeit aus diesem Thema heraus. Als Eltern können Sie Ihr Kind dabei gut unterstützen, damit der Alltag leichter wird und das Problem weniger belastend wirkt.
Wichtig ist vor allem, die Ursachen der Inkontinenz zu klären. Erst dann lässt sich entscheiden, welche Unterstützung und welches Training für Ihr Kind am besten passen.
Warum machen Kinder tagsüber in die Hose?
Früher wurde Tagesinkontinenz bei Kindern manchmal vorschnell auf psychische Ursachen zurückgeführt. Das ist jedoch nur selten der Fall. Viel häufiger gibt es körperliche oder funktionelle Gründe – zum Beispiel:
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Verstopfung (Obstipation): Ein voller Darm kann auf die Blase drücken und Harndrang verstärken.
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Überaktive Blase: Die Blase meldet sehr schnell „voll“, auch wenn noch nicht viel Urin drin ist.
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Zu langes Zurückhalten: Manche Kinder sind so ins Spielen vertieft, dass sie das Toilettensignal ignorieren oder „vergessen“, rechtzeitig zu gehen.
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Harnwegsinfektion: Diese kann zu häufigem Harndrang und kleinen Urinverlusten führen.
Sonderform: „Lachinkontinenz“ (Giggle Incontinence)
Einige Kinder verlieren Urin beim starken Lachen. Das ist unangenehm, aber behandelbar. Häufig helfen Beckenbodentraining und gezielte Übungen (am besten begleitet durch Fachpersonen).

Trinken und Toilette: die Basis für gesundes Toilettenverhalten
Für ein gesundes Toilettenverhalten ist es wichtig, dass Kinder tagsüber ausreichend trinken. Trotzdem gibt es viele Familien, bei denen es immer wieder zu nassen Hosen, kleinen Urinflecken oder auch Kotspuren in der Unterwäsche kommt. Und manche Kinder nässen zusätzlich nachts ein.
Urin- und Stuhlverlust können für Kinder sehr belastend sein. Scham, Unsicherheit oder auch Hänseleien sind leider möglich. Deshalb ist es wichtig, das Thema nicht zu verdrängen, sondern frühzeitig hinzuschauen – ruhig, respektvoll und ohne Druck.
Warum passiert das im Alltag so häufig?
Oft nehmen sich Kinder nicht genug Zeit auf der Toilette. Zum Beispiel weil sie schnell zurück zum Spielen wollen. Dann wird die Blase nicht vollständig entleert. Auch diese Punkte können eine Rolle spielen:
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Das Kind sitzt ungünstig oder zu kurz auf der Toilette.
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Es hält den Urin zu lange zurück.
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Es geht „auf den letzten Drücker“ und schafft es manchmal nicht rechtzeitig.
Das kann zu Urinverlust oder langfristig auch zu Blasenproblemen führen.
Wenn Stuhldrang ignoriert wird
Manche Kinder ignorieren den Stuhldrang, weil sie keine Lust haben, zur Toilette zu gehen – oder weil sie ungern auf fremden Toiletten sitzen (z. B. in der Schule). Das kann zu Verstopfung führen. Und Verstopfung erhöht wiederum das Risiko für Urinverlust, weil ein voller Darm auf die Blase drücken kann.
Praktische Tipps für zuhause (ohne Druck)
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Trinken über den Tag verteilen: Lieber regelmäßig kleine Mengen als abends „alles nachholen“.
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Feste Toilettenzeiten einführen: Zum Beispiel nach dem Aufstehen, vor dem Kindergarten/der Schule, nach dem Mittagessen, vor dem Schlafengehen.
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„Toiletten-Pausen“ statt Diskussionen: Kurz, freundlich erinnern („Toiletten-Check“), ohne Schimpfen oder Drohen.
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Genug Zeit lassen: Auf der Toilette lieber 1–2 Minuten ruhig sitzen bleiben, damit die Blase wirklich leer wird.
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Gute Sitzposition: Füße stabil abstellen (ggf. mit Hocker), Rücken entspannt, nicht „in der Luft hängen“. Das erleichtert das Entleeren.
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Bei Stuhldrang nicht warten: Regelmäßiger Stuhlgang hilft auch der Blase. Verstopfung kann Urinverlust verstärken.
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Loben statt kontrollieren: Kleine Erfolge zählen (z. B. „Du hast rechtzeitig Bescheid gesagt“). Das stärkt das Selbstvertrauen.
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Hilfsmittel nutzen, wenn es hilft: Sauggfähige Unterwäsche für Sicherheit unterwegs, eine Erinnerungsuhr für Trink- und Toilettenmomente oder – je nach Situation – ein Training mit Tages-Alarm zum besseren Wahrnehmen einer vollen Blase.
Zu häufiger Harndrang (sehr oft zur Toilette müssen)
Manche Kinder müssen tagsüber sehr häufig zur Toilette – manchmal fast stündlich. Sie haben ständig das Gefühl, „dringend“ zu müssen. Das machen sie nicht, weil sie gerne gehen, sondern weil die Blase sehr früh ein Signal sendet.
Wenn ein Kind sehr oft geht, sind die Urinmengen meist klein. Auf Dauer kann sich die Blase daran „gewöhnen“, nur wenig zu speichern. Dadurch kann sich das Fassungsvermögen eher verkleinern. Manchmal kommt es zusätzlich vor, dass Kinder unbemerkt kleine Mengen Urin verlieren.
Wichtig: Wenn Ihr Kind sehr häufigen Harndrang hat oder Urin verliert, ist eine Abklärung beim Kinderarzt sinnvoll, um z. B. eine Harnwegsinfektion, Verstopfung oder eine überaktive Blase auszuschließen.
Oder zu selten auf die Toilette gehen
Andere Kinder gehen tagsüber eher selten zur Toilette. Sie halten den Urin lange zurück – oft, weil sie gerade spielen, beschäftigt sind oder ungern auf fremde Toiletten gehen.
Wenn Kinder den Harndrang unterdrücken, lässt das Gefühl manchmal kurz nach. Die Blase ist aber trotzdem noch voll. Dadurch wird sie stark gedehnt und überlastet. In manchen Situationen kann es dann passieren, dass die Blase „überläuft“ – und es zu nassen Hosen kommt.
Ein regelmäßiger Toilettenrhythmus (z. B. alle 2 Stunden kurz „Toiletten-Check“) kann helfen. Bei häufigen Unfällen oder Schmerzen sollte der Kinderarzt die Ursache abklären.
Wie oft sollte ein Kind am Tag zur Toilette gehen?
Als grobe Orientierung gilt:
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1–4 Mal pro Tag ist meist zu selten.
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5–7 Mal pro Tag ist für viele Kinder ein guter Richtwert.
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8 Mal oder öfter kann zu häufig sein.
Wichtig: Das sind Richtwerte. Wenn Ihr Kind sehr häufigen Harndrang hat, Schmerzen beim Wasserlassen verspürt oder immer wieder Unfälle passieren, ist eine Abklärung beim Kinderarzt sinnvoll.
Ein einfacher Toiletten-Plan (6x am Tag)
Für viele Kinder ist es hilfreich, ungefähr sechsmal täglich zur Toilette zu gehen. Zum Beispiel:
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Direkt nach dem Aufwachen am Morgen
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In der Pause in der Schule / im Kindergarten
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Mittags (z. B. vor oder nach dem Essen)
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Am Nachmittag nach der Schule
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Am frühen Abend (z. B. rund ums Abendessen)
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Vor dem Schlafengehen
„Nicht als strenge Regel – eher als Orientierung, damit die Blase regelmäßig entleert wird.“
Wie viel sollte ein Kind pro Tag trinken? (Richtwerte)
In Europa werden häufig die EFSA-Richtwerte für die Gesamtwasseraufnahme verwendet (also Getränke + Wasser aus Lebensmitteln):
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2–3 Jahre: 1,3 L/Tag
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4–8 Jahre: 1,6 L/Tag
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9–13 Jahre: Mädchen 1,9 L/Tag, Jungen 2,1 L/Tag
Praktisch: Das ist die Gesamt-Wassermenge. Ein Teil kommt über die Nahrung; als reine Trinkmenge liegt man oft grob bei ca. 70–80 % dieser Gesamtmenge (abhängig von Ernährung, Wetter und Aktivität).
Quelle: EFSA – Dietary Reference Values for water (2010)
https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2010.1459
Stuhlgang: Wenn Kotspuren in der Unterwäsche auftreten
Feuchte Hosen oder Urinverlust können manchmal auch damit zusammenhängen, dass ein Kind den Stuhldrang zu lange zurückhält. Manche Kinder haben außerdem immer wieder Stuhl- oder Kotspuren in der Unterhose. Das passiert oft unbemerkt – ohne dass das Kind das Gefühl hat, sofort auf die Toilette zu müssen.
Wie kommt das?
Wenn Kinder zu selten zur Toilette gehen oder den Darm nicht vollständig entleeren, kann es zu Verstopfung kommen. Der Stuhl sammelt sich im Darm, wird hart und lässt sich schwerer ausscheiden. Dann kann es passieren, dass weicherer, neuer Stuhl am harten Stuhl „vorbeirutscht“ und als Schmier- oder Kotspur in der Unterwäsche landet – ohne dass das Kind es rechtzeitig merkt.
Woran können Eltern sich orientieren?
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Weniger als 3 Stuhlgänge pro Woche ist meist zu wenig.
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Der Stuhl sollte idealerweise geformt sein (wie eine „Wurst“), eher weich bis fest – aber nicht hart.
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Sehr harter Stuhl oder wiederkehrende Kotspuren sind Hinweise, dass der Darm Unterstützung braucht.
Wenn Sie unsicher sind oder Ihr Kind Schmerzen hat, häufig Bauchweh klagt oder regelmäßig Kotspuren auftreten, ist eine Abklärung beim Kinderarzt sinnvoll (Verstopfung ist häufig – und gut behandelbar).
Hilfe und Unterstützung im Alltag
Wir unterstützen Familien nicht nur mit Informationen, sondern auch mit praktischen Hilfsmitteln für den Alltag:
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Toiletten-Timer / Erinnerungsuhren: Diese Uhren erinnern Ihr Kind tagsüber diskret (z. B. per Vibration) an Trink- und Toilettenzeiten. Viele Kinder finden sie „cool“ – und sie helfen, regelmäßige Gewohnheiten aufzubauen, ohne dass Eltern ständig erinnern müssen.
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Bequeme, saugfähige Unterwäsche: Sie kann helfen, nasse Hosen im Alltag zu vermeiden. Das gibt Ihrem Kind mehr Sicherheit – und reduziert peinliche Situationen in der Schule oder unterwegs.
Wenn die Beschwerden anhalten
Wenn Ihr Kind weiterhin Probleme hat, kann zusätzliche fachliche Unterstützung sinnvoll sein – zum Beispiel durch eine/n Kinderphysiotherapeut:in mit Schwerpunkt Beckenboden oder eine urologische Sprechstunde in einem Kinderkrankenhaus in Ihrer Nähe.


